Radfahren: Verkehrsmittel der Zukunft – Alltag dritter Klasse - ADFC Bremerhaven

Allgemeiner Deutscher Fahrrad-Club Ortsverein Bremerhaven e. V.

Radfahren Fortbewegung dritter Klasse

Fortbewegung 3. Klasse © ADFC Bremerhaven - KI generiert

Radfahren: Verkehrsmittel der Zukunft – Alltag dritter Klasse

Das Fahrrad gilt als Verkehrsmittel der Zukunft. Doch der Alltag in Bremerhaven und im Landkreis Cuxhaven zeigt: Radverkehr wird vielerorts noch immer wie Verkehr dritter Klasse behandelt.

Das Fahrrad gilt als Verkehrsmittel der Zukunft. Es verursacht kaum Lärm, benötigt wenig Platz, schont das Klima und fördert die Gesundheit. Kaum jemand bestreitet diese Vorteile. Dennoch erleben viele Menschen, die regelmäßig in Bremerhaven und im Landkreis Cuxhaven unterwegs sind, etwas völlig anderes: Im Alltag werden sie häufig wie Verkehrsteilnehmer dritter Klasse behandelt.

Auf der Fahrbahn gelten Radfahrer vielen Autofahrern als Hindernis. Wer dort fährt, obwohl es erlaubt ist, wird bedrängt, zu eng überholt oder mit Hupen und Unverständnis bedacht. Gleichzeitig sind viele Radwege in einem Zustand, den man für den Autoverkehr niemals akzeptieren würde. Schlaglöcher, Wurzelschäden, unebene Oberflächen, Poller oder plötzlich endende Wege gehören vielerorts zum Alltag.

Die Probleme unterscheiden sich dabei je nach Region. In Bremerhaven prägen häufig schmale oder gemeinsam genutzte Geh- und Radwege, fehlende Radverbindungen und Konflikte im dichten Stadtverkehr das Bild. Im Landkreis Cuxhaven werden dagegen oft Wirtschaftswege als Ersatz für echte Radwege genutzt. Das spart Baukosten, führt aber zu neuen Konflikten. Landwirte fühlen sich durch Radfahrer gestört, während die Radfahrer auf Wegen unterwegs sind, die oft gar nicht für den täglichen Radverkehr geeignet sind. Gerade weil viele Menschen zwischen Bremerhaven und dem Landkreis mit dem Fahrrad unterwegs sind, erleben sie beide Seiten dieser Realität.

Besonders auffällig ist dabei ein Muster: Für den Autoverkehr wird in der Regel die komfortabelste und direkteste Lösung gesucht. Für den Radverkehr genügt häufig die billigste. Radwege enden unvermittelt, wechseln ohne erkennbaren Grund die Straßenseite oder werden bei Baustellen kurzerhand gesperrt. Während Autos möglichst ungehindert weiterfahren können, müssen Radfahrer schieben oder weite Umwege in Kauf nehmen.

Hinzu kommt ein hartnäckiges Vorurteil: "Die Radfahrer halten sich doch sowieso an keine Verkehrsregeln." Natürlich gibt es auch unter Radfahrern Regelverstöße – genauso wie unter Autofahrern oder Fußgängern. Doch während Fehlverhalten einzelner Autofahrer selten auf alle Autofahrer übertragen wird, prägen einzelne Radfahrer oft das Bild einer ganzen Gruppe.

So entsteht eine paradoxe Situation. Das Fahrrad wird politisch als klimafreundliche Mobilität beworben, im Alltag aber oft nur geduldet. Auf der Straße stört es den Autoverkehr. Auf gemeinsamen Wegen stört es die Fußgänger. Auf Wirtschaftswegen stört es die Landwirtschaft. Fast überall scheint die Botschaft zu lauten: Radfahren ist willkommen – aber bitte so, dass es niemand bemerkt.

Eine moderne Verkehrspolitik sollte jedoch nicht fragen, wo Radfahrer gerade noch untergebracht werden können. Sie sollte ihnen den Platz geben, den ein gleichberechtigtes Verkehrsmittel verdient. Denn wer möchte, dass mehr Menschen aufs Fahrrad umsteigen, muss ihnen auch ermöglichen, sicher, komfortabel und selbstverständlich unterwegs zu sein.

Solange das nicht gelingt, bleibt ein Widerspruch bestehen: Ausgerechnet das umweltfreundlichste Verkehrsmittel wird vielerorts noch immer behandelt wie ein Verkehrsmittel dritter Klasse.

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